Selbst / Portrait und Portrait

Samstag, 9. September 2017

Die beiden Formate von Selbst / Portrait und Portrait eines anderen sind gar nicht so verschieden, wie es auf den ersten Blick erscheinen mag. Die klassischen Situationen von „Der Maler und sein Modell” oder auch das Selbst / Portrait vor dem Spiegel zeigen, dass es dabei nicht einfach um die Gegenüberstellung und Festschreibung zweier Seiten, sondern um ein vielschichtiges Spiel geht, in dem sich die Positionen vertauschen und verwirren. Das Selbst definiert sich durch den Anderen und ist immer in Gefahr, aus dem Prekären der eigenen Situation den Anderen zum ganz Anderen zu machen. Diese Situation wird in verschiedenen Beiträgen dargestellt.

Selbst / Portrait und die Konstituierungen des Selbst

Dienstag, 12. September 2017

Das Selbst / Portrait ist nicht einfach Abbild von etwas, sondern konstruiert dieses Bild von sich selbst. Das Bild einer solchen Identität ist dabei nicht auf den Einzelnen beschränkt, sondern immer schon Teil eines grösseren Gesamt, das sich im Individuum ebenso bestätigt wie dieses sich in ihm. So weisen Selbst / Portraits immer auch über sich hinaus und sind Teil von allgemeineren Identitätskonstrukten, die nicht weniger zeit-, orts- und situationsgebunden sind. Das Prekäre dieser Konstruktionen überträgt sich – wie auch aktuell zu sehen ist – dabei ständig vom Einen zum Anderen.

Das Selbst / Portrait, Tod und andere Welten

Donnerstag, 14. September 2017

Nicht nur Totenmasken und Grabsteine sind Selbst / Portraits. Der Tod ist immer auch Pate dieses Bildes und des Selbst. Die Inschrift Erkenne Dich selbst auf dem Apollo-Tempel in Delphi war damit nicht nur philosophische Anleitung, sondern ebenso sehr der Wunsch, das Ende zu transzendieren. In diesem Sinn ist Science Fiction ein Selbst / Portrait, das den Tod überwinden soll, wie umgekehrt uns Geister, Medien und ähnliche okkulte Phänomene aus anderen Welten etwas darüber erzählen, wer wir sind und wohin wir gehen.

Die kurze Nacht des langen Gesichts

Freitag, 15. September 2017

Das Gesicht steht meist im Zentrum des Selbst / Portraits, zeigt sich uns aber häufig auf eine Weise, von der wir gar nichts zu wissen glaubten. Man kann es lesen, auch wenn es sich verkleidet. Tausendundeine Geschichten werden nicht erzählt, in dieser kurzen Nacht des langen Gesichts, aber vielleicht werden es dann immer mehr, sobald man die Augen schliesst.

Das Selbst / Portrait im Wandel der Technik

Samstag, 16. September 2017

Das Selbst / Portrait verweist auch darauf, wie sehr das Selbst ein Medium ist. Als solches verändert es sich mit unterschiedlichen Medien sowie mit neuen Techniken. Davon zeugen nicht nur die Entwicklungen der bildenden Kunst, mindestens ebenso sehr verändert es sich mit Wissenschaft und Technik. Hat die Psychoanalyse auf die unbewussten Aspekte unseres Selbstbildes hingewiesen, so produziert die Medizin mit Hilfe digitaler Technik noch ganz andere Bilder unserer selbst, darüber hinaus werden aus den Spuren, die wir in der digitalen Welt hinterlassen, ebenfalls Bilder geschaffen, von denen man nichts weiss und die uns selbst erstaunen und erschüttern können.

Selbst / Portrait und Körper

Mittwoch, 20. September 2017

Der Körper erscheint uns immer wieder als Träger unseres Selbst. Deshalb wird er besonders hergerichtet, gekleidet, geschminkt, tätowiert und gepierct, trainiert und operiert und umgekehrt auch gegen jeden Eingriff verwahrt und geschützt. Dabei generiert und figuriert er sich ständig neu, kann gar zum Medium werden, das sein Geschlecht neu definieren kann. In all diesen Metamorphosen erfindet und findet er sich und verliert sich im gleichen Zug auch wieder selbst.

Ausstellung

Die Veranstaltungsreihe wird von einer Ausstellung begleitet, die als multimediales psychoanalytisches Sprechzimmer eingerichtet ist. Dort werden Ausschnitte aus Filmen gezeigt – grosses Kino –, in denen Gesichter und Gestalten zentral sind und so immer neue Facetten von Selbst / Portraits in Szene setzen. Um zwei klassische Freud-Couchs präsentieren sich Vitrinen mit rätselhaften Objekten von KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen, während sich auf mehreren Monitoren das Projekt Selbst / Portrait selbst entwirft: In einem ersten Video stellen darin die OrganisatorInnen in einem gemeinsamen Gespräch die Ideen, Absichten und Ziele vor, um die es ihnen bei der Veranstaltungsreihe Selbst /Portrait geht. Dann wird, Zug um Zug als work in progress, in weiteren Videos der Verlauf der einzelnen Abende filmisch zusammengefasst und dokumentiert, dabei mit Bildern, Zitaten und weiteren Dokumenten ergänzt und auf einem je eigenen Monitor in die Ausstellung integriert. Darüber hinaus wird eine Gruppe von ZHdK-StudentInnen als residents die jeweiligen Abende diskutieren und überdenken und dokumentieren. Dieser polyphone Kommentar wird seinerseits in die Ausstellung als Video eingespielt wird. Die Ausstellung entwickelt sich so immer mehr zu einem Selbst / Portrait der Veranstaltungsreihe selbst.

Schliesslich wird die Ausstellung als fortschreitende work in progress auch im Netz der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Eine mögliche anschliessende Publikation ist bereits angedacht.